Sonntag, 3. August 2014

Erinnern und Vergessen...

The Shy Camera oder die andere Seite des Big Brother

Quelle: http://www.emaf.de/deutsch/festival/programm/ausstellung.html


 

In unserem Seminar „Erinnern und vergessen“ stellen wir uns die Frage, ob ein Kunstwerk auch als Denkmal fungieren kann.

Bei dem Besuch der diesjährigen Ausstellung des European Media Art Festivals (EMAF) in Osnabrück, war ich sofort von der interaktiven Installation von Gregor Kuschmirz The Shy Camera (2006/2013) fasziniert.

Die Installation besteht  aus einer von der Decke hängenden Überwachungskamera und einem an der hinteren Wand befestigten kleinem Monitor.

The Shy Camera schien ein richtiger Besuchermagnet zu sein:  Menschen betraten den Raum der Installation und versuchten mit viel Mühe auf dem Monitor zu erscheinen. Durch gegenseitige Unterstützung wurde versucht,  das  schüchterne Gerät auszutricksen, gelingen sollte es jedoch keinem von ihnen.

Sobald der Bewegungssensor der Kamera,  eine sich vor ihrer Linse befindende Person erkannte, drehte  sie sich in einer schnellen Bewegung von ihr fort.


Doch kann dieses,  durch die Interaktion mit den Besuchern,  recht amüsant wirkende Kunstwerk ein Denkmal sein?


Ich bin der Meinung: Ja!

Allerdings ist hier eher der Begriff des „Mahnmals“  zu wählen.


The Shy Camera  fungiert als ein Spiegel, der den Besuchern (der Gesellschaft?) vorgehalten wird.

Dabei unterscheiden sich die Intention des Kunstwerks und die des Mahnmals nicht.

Das diesjährige Thema des EMAF befasst sich mit der ständigen Überwachung und Datensammlung sowie dem  Unbehagen, oder gar der puren Angst, die daraus resultieren kann.

Für mich bezieht sich The Shy Camera  weniger auf diese emotionale Ebene, sondern dient eher als ein Mahnmal für die gesellschaftliche  Inkonsequenz, welche insbesondere durch den bereits beschriebenen,  aktiven Umgang  mit dem Kunstwerk innerhalb dieser Ausstellung deutlich wird. Eine Reaktion auf das Kunstwerk, die für mich unabhängig vom Raum hervorzurufen sein würde: Würden  die Kamera und der Monitor mitten in der Stadt, auf einem öffentlichen Platz angebracht sein, würde es, da bin ich mir sicher, zu dem gleichen Umgang, den gleichen Reaktionen und Aktionen mit dem Werk führen.

Die Spiegelfunktion des Mahnmals wird an den  aus der Aktion resultierenden Emotionen der Agierenden deutlich: Obwohl die ständige Überwachung durchaus kritisiert, ja sogar gefürchtet wird, scheint es  den Menschen wichtig zu sein,  „ins Rampenlicht zu kommen“, oder auf einem kleinen Monitor zu erscheinen und sie sind regelrecht verärgert und enttäuscht, wenn  ihnen dieses misslingt.

Wird der vermeintlich  fröhliche Schleier der Installation/des Mahnmals durchdrungen, bleibt letztlich die bloße und leicht bittere Selbsterkenntnis: die eigene  Inkonsequenz,  seine eigene Person und das Private schützen zu wollen, aber gleichzeitig den Drang nach Selbstdarstellung zu verspüren ohne etwaige Folgen zu reflektieren.





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